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Der deutsche Goldschatz kommt heim

Am 8. September 2017 von Jasmin | Aktuelles

Armes Deutschland – oder etwa doch nicht? Wussten Sie, dass Deutschland der Besitzer des zweitgrößten Goldschatzes der Welt ist? Was zugegebenermaßen etwas wie ein versunkener Piratenschatz anmuten lässt, ist jedoch nicht, wie lange vermutet, ein Mythos, sondern strahlende Realität: Ganze 3378 Tonnen Gold, die bisher in Tresoren in London, Paris und New York ruhten, gehören der Deutschen Bundesbank! Nun, nachdem schon lange die Forderung laut wurde, das deutsche Gold innerhalb der Landesgrenzen zu verwahren, ist die Hälfte jenes gigantischen Goldschatzes wieder zuhause. Doch wie kam es überhaupt dazu, die deutschen Goldreserven im Ausland zu lagern? Und war jene Rückholung überhaupt sinnvoll?

Deutschlands Goldschatz: „Eiserne“ Reserve im Exil

Bereits Mitte 1951 baute die Bank deutscher Länder als Vorgänger der Deutschen Bundesbank erste Goldreserven auf. Als schließlich in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg das deutsche Wirtschaftswunder seinen Lauf nahm, wuchsen die deutschen Gold-Reserven rasant an. Der florierende Export erziele hohe Gewinne in Dollar, die bei der US-Zentralbank gegen Gold eingetauscht wurden. Fast wie im Märchen also – inklusive einem riesigen Topf voll Gold!

Bild von 6 Goldbarren, die übereinander gestapelt sind

Während des Kalten Krieges änderte sich jedoch die Lage dramatisch. Deutschland musste befürchten, ins Zentrum eines drohenden Krieges zu geraten und somit seinen immensen Goldschatz zu gefährden. Aufgrund jener Sicherheitslage wurde beschlossen, das deutsche Gold „westlich des Rheins“ und grundsätzlich weit außerhalb der Landesgrenzen aufzubewahren – nicht zuletzt als möglicher Puffer für Währungskrisen. Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Einsetzen der Deutschen Einheit normalisierte sich die „geopolitische Situation“ Deutschlands. Viele verlangten nun den Rückruf der deutschen Gold-Reserven aus dem Ausland – Verwendungsmöglichkeiten für so unvorstellbar viel Gold gab es schließlich genug!

Seit 2013 brachte die Bundesbank daher Jahr für Jahr hunderte Goldbarren auf geheimen Wegen über den Atlantik und den Rhein nach Deutschland. Dennoch: Ein Teil des deutschen Goldes wird weiterhin in New York und London verbleiben, um im Falle einer extremen Krise gewappnet zu sein. Doch war all dieser Aufwand wirklich nötig, nur damit wir von nun an selbst unser Gold hüten dürfen?

Die Rückholung des deutschen Goldes – Kritik von allen Seiten

Womöglich entspricht es dem typisch deutschen Charakterbild, alles unter Kontrolle haben zu wollen. Eine Rückholung unseres Goldschatzes, seine Lagerung innerhalb der Landesgrenzen und damit die Möglichkeit, jederzeit auf ihn zugreifen und ihn überprüfen zu können, macht daher durchaus Sinn. Bedenkt man jedoch, dass jene Operation ganze 7,7 Millionen Euro verschlungen haben soll, stellt sich Kritikern unwillkürlich die Frage: Wozu eigentlich? Nur um unser Gold jetzt selbst bewachen zu können und damit weitere Kosten für Lagerung und Sicherheit zu verursachen? Ein hoher Preis für ein wenig Gewissheit! Letztlich lässt sich wohl nicht genau abschätzen, ob uns die Rückholung unseres Goldschatzes irgendwann einmal zu Gute kommen wird oder ob im übertragenen Sinn doch nicht alles Gold ist, was glänzt. Sicher ist nur, dass wir uns derzeit über unseren ganz persönlichen Goldschatz im eigenen Land freuen dürfen – allen Kritikern zum Trotz!

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