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Arrivederci centesimo – Italien schafft das Kupfergeld ab

Am 23. Juni 2017 von Jasmin | Aktuelles

Eigentlich wusste die Mehrzahl der Lire-Verwöhnten Italiener von Anfang an nicht so genau, was sie von den vielen kleinen Münzen der Euro-Ära halten sollte. Während sie das praktische Lire-Bündel in der Tasche ab 2002 gegen allerlei unhandliches Münzgeld eintauschen musste, wurde es bald eine gängige Methode, insbesondere die 1- und 2-Cent-Stücke der Kirchenkollekte zu überlassen oder sie direkt zuhause zu lagern. Eine Handhabung, die nicht nur in Bella Italia Anklang fand: Auch hierzulande eignet sich das klimpernde Kupfergeld kaum zum Bezahlen bei Einkauf, Shopping & Co, sondern fristet nur allzu oft sein Dasein in Einmachgläsern und Schubladen. Wir haben uns arrangiert, mit dem Geld, das eigentlich niemand will.

Ab 2018: Italien verabschiedet sich von seinen 1- und 2-Cent-Münzen

Vor diesem Hintergrund scheint die neueste Entscheidung im italienischen Finanzwesen nur konsequent: Ab dem 01. Januar 2018 wird Italien keine neuen 1- und 2-Cent-Münzen mehr in Umlauf bringen. Das entschied die zuständige Bilanzkommission der Abgeordnetenkammer in Rom. Demnach sollen ab dem nächsten Jahr alle Preise auf den nächsten 5-Cent-Betrag gerundet werden. Die Gründe für die radikale Abschaffung des abschätzig genannten „Klimpergeldes“ sind allerdings nicht nur bei der Unbeliebtheit innerhalb der Bevölkerung zu suchen. Tatsächlich scheinen die Herstellungskosten nämlich den Wert der Münzen zu übersteigen – und so bezahlen wir seit der Euroeinführung Beträge im Milliardenbereich drauf!

Wer nun jedoch euphorisch die generelle Abschaffung unserer kleinsten Euro-Nominale fordert und sich fragt, weshalb die Bundesrepublik eisern versucht, an ihren 1- und 2-Cent-Münzen festzuhalten, der macht es sich zu einfach. Die Kehrseite jener Medaille ist nämlich folgende: Gut 115 Milliarden Euromünzen sind derzeit in der EU im Umlauf, etwa die Hälfte in Form von 1- und 2-Cent-Münzen. Mit Abschaffung jener Nominale und dem Runden der Preise auf 5-Cent-Beträge muss das Fehlen jener Münzen wiederum kompensiert werden – und das durch 5-Cent-Münzen. Während wir also auf der einen Seite das Spektrum unserer Euromünzen entschlacken möchten, müssen wir auf der anderen Seite für einen Ausgleich sorgen. Und so löst sich die versprochene Ersparnis wieder in Rauch auf.

Bild mit gestapelten 1-Cent-Münzen

Der Trend zu weniger Kleingeld: Finnland, Kleve & Co. machen’s vor!

Dennoch: Der Trend geht klar zu weniger Kleingeld. Während Finnland bereits mit der Euroeinführung 2002 auf die kleinsten Nominale verzichtete und direkt auf 5-Cent-Beträge rundete, führten mittlerweile auch Belgien, die Niederlande und Irland die Rundungsregel ein. Doch auch in Deutschland scheint jener Trend seine Spuren zu hinterlassen: Ab dem 01. Februar 2016 hieß es auch im niederrheinischen Kleve „Bitte runden“. Da nun mit Italien auch eine große europäische Volkswirtschaft auf ihre 1- und 2-Cent-Münzen verzichtet bleibt abzuwarten, ob auch wir uns bald vom deutschen Kupfergeld verabschieden dürfen – und so unsere Einmachgläser nicht länger als Sparkassen dienen werden.

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